Codes & Streusel beim digitalHUB Aachen: Wo agentische KI auf industrielle Praxis trifft

Holger Pigerl
April 23, 2026
4 min
Lesezeit

17. März 2026 | digitalHUB Aachen

Wenn sich KI-Expert:innen und Anwender:innen aus der Industrie zu Streuselbrötchen und konkreten Use Cases zusammenfinden, entsteht genau die Art von Austausch, die den Unterschied macht – nicht das nächste Whitepaper, sondern das direkte Gespräch. Das Codes & Streusel-Format des digitalHUB Aachen lebt genau davon. Am 17. März 2026 war aiXbrain wieder dabei – diesmal mit Workshop, Demo und lebhaften Diskussionen über digitale Souveränität im KI-Zeitalter.

Keynotes: Agenten als Teams, Prozesse statt Tools

Den inhaltlichen Einstieg lieferten zwei inspirierende Keynotes.

Vlad Larichev knüpfte an eine inzwischen viel zitierte These von Nvidia-CEO Jensen Huang an: KI-Agenten werden künftig wie menschliche Mitarbeiter:innen zusammenarbeiten – und sollten entsprechend als Teams gemanagt werden, um ihr produktives Potenzial voll auszuschöpfen. Eine Perspektive, die den Fokus verschiebt: weg von einzelnen Modellen, hin zu orchestrierten Systemen.

Kira Frings brachte die Herausforderungen auf den Punkt, die beim Übergang von einzelnen KI-Tools zur Unterstützung ganzer Prozesse entstehen – insbesondere wenn es darum geht, KI sinnvoll an bestehende IT-Systeme wie ERP-Lösungen und deren Datenstrukturen zu koppeln. Wer schon mal versucht hat, einen LLM-Agenten an ein gewachsenes ERP-System anzubinden, weiß: Hier liegt viel der eigentlichen Arbeit.

Demo: Die KI-Popcornmaschine ist zurück

MachineGPT-Popcornmaschine mit Chatbot auf dem Codes & Streusel Event
[right]Die MachineGPT-Popcornmaschine mit Chatbot

Anfassbar statt abstrakt – das ist der Anspruch, mit dem aiXbrains Marketing-Manager Dirk Neuß die KI-unterstützte Popcornmaschine wieder ins Rennen schickte. Die Demo verbindet agentische KI, die Datenplattform IXON Cloud und IoT-Sensorik von Daqore zu einem funktionierenden Gesamtsystem – und macht damit greifbar, wie industrielle Anwendungen aus diesen Bausteinen entstehen können. Manchmal braucht es eben Popcorn, um den Funken zu zünden.

Workshop: KI-Lösungen und typische KI-Probleme

aiXbrain-Workshop von AI-Solutions-Manager Holger Pigerl beim Codes & Streusel Event
[right]Workshop von AI-Solutions-Manager Holger Pigerl

Der Workshop von AI-Solutions-Manager Holger Pigerl war auf Diskussion ausgelegt – und die kam. Die unterschiedlichen Hintergründe der Teilnehmenden sorgten dafür, dass schnell verschiedene Perspektiven aufeinander stießen: von der Frage nach der Evolution von LLMs und KI-Agenten bis hin zu sehr konkreten Einsatzszenarien.

Einige der zentralen Themen:

  • Einfache vs. schwierige Einsatzszenarien – Wo liegen die niedrig hängenden Früchte, wo die echten Herausforderungen?
  • Spezifische Einsatzbereiche – Wann macht ein LLM Sinn, wann ein KI-Agent, wann ein klassisches ML-Modell?
  • Vendor Lock-in und digitale Souveränität – Wie vermeidet man die Abhängigkeit von einzelnen, vor allem außereuropäischen Modellanbietern?
  • Selfhosting – Welche Modelle lassen sich für welche Zwecke gut selbst betreiben? Welche Infrastruktur und welche Expertise sind dafür nötig?
  • Sicherheit bei nichtdeterministischen Systemen – Wie bekommt man LLMs und Agenten zuverlässig in den Griff?
  • Grenzen agentischer KI – Welche Leitplanken braucht es, um Worst-Case-Szenarien zu verhindern?

Abgerundet wurde der Workshop mit einem kurzen Impuls zu den strategischen Voraussetzungen für erfolgreichen KI-Einsatz – Organisation und Unternehmenskultur, technische Architektur, Compliance – und einem Fahrplan für KI-Projekte mit aiXbrain.

Das größte Takeaway: Stabilität im schnellen Wandel

Der technologische Horizont verschiebt sich durch neue Foundation-Modelle und Agentic Frameworks quasi wöchentlich. Gleichzeitig wächst die Unsicherheit: Setzt man auf das richtige Modell? Wie abhängig macht man sich von einem bestimmten Anbieter?

Für aiXbrain unterstreicht das eine Linie, an der wir konsequent festhalten: Vom konkreten Bedarf ausgehend klar abgesteckte Use Cases entwickeln. Wo liegen die echten Pain Points – und was muss die Lösung tatsächlich liefern? Eine durchdachte Datenstrategie und modulare, offene Softwarearchitekturen sind Investitionen mit dauerhaftem Wert – unabhängig davon, welches Modell in sechs Monaten das Gespräch dominiert. Anbieterunabhängigkeit ist kein Zufall, sondern Designprinzip.

Fazit: Persönlich, konkret, wertvoll

Referenten-Selfie mit Publikum beim Codes & Streusel im digitalHUB Aachen
[right]Referenten-Selfie mit Publikum (Foto: Marius Braun)

Codes & Streusel ist kein Konferenzformat mit Hochglanzfolien – es ist ein Ort, an dem echte Fragen gestellt und echte Antworten gesucht werden. Das Team des digitalHUB Aachen hat wieder eine professionelle und abwechslungsreiche Veranstaltung auf die Beine gestellt, die genau diesen Austausch ermöglicht.

Persönliche Vernetzung in der KI-Szene ist kein Nice-to-have. Sie ist der Kanal, über den Vertrauen entsteht – und Vertrauen ist die Grundlage für KI-Projekte, die wirklich funktionieren.

Wir freuen uns auf das nächste Mal.

Beitrag teilen
Holger Pigerl